„Klimaschutz ist eine Frage der Gerechtigkeit“
Gotthard Dobmeier zu Gast beim Landvolktag in Elbersroth
„Klimaschutz ist nur möglich mit Änderung der Lebensstile“ – so das Fazit von Gotthard Dobmeier beim Landvolktag der Diözese Eichstätt in Elbersroth.
Der ehemalige Umweltreferent der Erzdiözese München und Freising und Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Umweltfragen konzentrierte sich in seinem Referat vor allem auf die ethischen Herausforderungen des Klimawandels: „Klimaschutz ist vor allem eine Frage der Gerechtigkeit“, so Dobmeier, Gerechtigkeit gegenüber den Menschen der südlichen Erdhalbkugel, Gerechtigkeit gegenüber der nächsten Generation und Gerechtigkeit gegenüber der Natur. Wir könnten uns durch den Bau von Dämmen an Nord- und Ostsee helfen, für Länder wie Bangladesh habe das Ansteigen des Meeresspiegels um 20 Zentimeter jedoch katastrophale Folgen. Für Afrika bedeute die Erderwärmung ein Ausbreiten der Wüsten und damit den sich schon jetzt abzeichnenden Kampf um Ackerland und Wasser.
„Die Völker des Südens erwarten nicht, dass wir ihnen mehr geben, sondern dass wir ihnen weniger nehmen“ – so das ethische Prinzip des Referenten in diesem Zusammenhang. Als weitere ethische Prinzipien formulierte Dobmeier eine „Ethik der Folgen“, die „Ethik der Beherrschung“ sowie eine „Ethik der Selbstbegrenzung“: Notwendig sei eine persönliche Folgenabschätzung des Tuns, z.B. bei der eigenen Mobilität. Christliche Werte wie die „Ehrfurcht vor dem Leben“ bedingen eine Haltung weg vom reinen „Be-Nutzen“ der Produkte hin zu einem Lebensprinzip „Gut leben statt viel haben“, eine Grundhaltung des freiwilligen Maßhaltens sowie der Unabhängigkeit vom Konsum. Elektrische Geräte würden zwar immer weniger Strom verbrauchen, dafür kämen aber immer mehr elektrische Geräte z.B. in Privathaushalten zum Einsatz, so dass der Einspareffekt verpuffe.Energie sparen, Energieeffizienz sowie der Einsatz erneuerbarer Energien seien die notwendigen Elemente, um den in den Industrienationen erforderlichen Beitrag zur Vermeidung der schlimmsten Folgen des Klimawandels erreichen zu können.Jeder einzelne könne durch sein eigenes Mobilitätsverhalten bzw. durch sein Einkaufsverhalten zum Klimaschutz beitragen: überlegen, welche Autofahrten oder Flugreisen erforderlich sind, öffentliche Verkehrsmittel nutzen bzw. regionale oder fair gehandelte Produkte einkaufen, um z.B. den unnötigen Transport von Lebensmitteln rund um den Erdball zu verringern.Kirche und insbesondere die Verbände in der Kirche böten darüber hinaus die Chance, in Sachen Klimaschutz nicht nur Einzelkämpfer zu sein, sondern sich gegenseitig zu bestätigen und in der Gesellschaft Veränderungen anzustoßen.
„Verband ist Kirche in der Gesellschaft und Gesellschaft in der Kirche“, so zitierte Dobmeier in diesem Zusammenhang einen Satz aus einem Papier der „Gemeinsamen Synode“ der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahr 1975.
In der anschließenden Diskussion machten einige Teilnehmer deutlich, dass die Folgen des Klimawandels für viele Menschen noch zu unkonkret seien, insbesondere was die Veränderungen bei uns vor Ort betreffen, Beispiel Landwirtschaft.Darüber hinaus wurde deutlich, dass es nicht Ziel einer neuen Energiewirtschaft sein kann, landwirtschaftliche Flächen bzw. landwirtschaftliche Produkte ausschließlich für die Energieproduktion zu nutzen. Stichwort: Verbrennen von Getreide oder Mais bzw. Errichtung großflächige Solarparks. Hier würden neue Abhängigkeiten für die Bauern geschaffen und entstünden neue Umweltprobleme durch intensiv genutzte Monokulturen bzw. Landschaftsverödung.Begonnen hatte der Landvolktag mit einem gemeinsamen Gottesdienst mit der Pfarrgemeinde in Elbersroth.Landvolkpfarrer Roland Klein nahm in seiner Predigt allem Bezug auf die neue Papst Enzyklika „Caritas in veritate“ – Liebe in Wahrheit. Viele Menschen in der heutigen Zeit verlieren, so der Landvolkpfarrer, Gott aus dem Blickfeld. Weil jeder sein Leben auf seine eigene Art lebe, der Glaube dabei gleichzeitig für viele nicht mehr die tragende Größe im Leben sei, dominierten bei vielen materielle Ziele als erstrebenswerte Lebensziele. Das habe zum Teil schwerwiegende Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft, wie man auch an der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich erkennen könne. Dagegen böte uns der Glaube zwei andere Ziele als sinnstiftend an: die Liebe und die Wahrheit. „Jeder findet sein ganz persönliches Glück (gemeint sind damit Liebe und Wahrheit), wenn er in den Plan einwilligt, den Gott für ihn hat“, zitieret Pfarrer Klein aus dem Lehrschreiben des Papstes. Ziel unseres Lebens sollte demnach sein, sich von Christus her immer mehr mit seiner Liebe beschenken zu lassen, wie das auch der hl. Nikolaus von Flüe, der Patron des Landvolkes, immer wieder zu den Menschen gesagt hat, die bei ihm Rat gesucht haben. „All unser Tun muss geleitet sein vom Respekt meinem Nächsten gegenüber, muss begleitet sein von der Liebe zu meinem Nächsten, dem ich dadurch die Liebe zurückschenke, die ich von Gott erhalten habe“, so der Landvolkpfarrer.Gestaltet wurde der Gottesdienst von der Band „Jesus friends“ aus Elbersroth sowie von Kindern und den Ministranten der Pfarrei.
Die Thematik „Klimaschutz, Lebensstile, Nachhaltigkeit“ ist Schwerpunkt der Arbeit und Inhalte einer Kampagne der Kath. Landvolkbewegung (KLB) Deutschlands in den Jahren 2010 bis 2011.